Amberger Nachrichten vom 19.5.2004:

Klares Nein zum Krematorium

VILSECK. In Vilseck wird es kein Krematorium geben. Einstimmig lehnte der Stadtrat jetzt den entsprechenden Antrag von Alois Köppl und Pfarrer Klaus-Peter Lehner aus Drachselsried ab. Erhebliche Bedenken bestanden vor allem wegen möglicher starker Emissionen, z.B. von Dioxin und Quecksilber. Der Abgasaustoß wäre direkt über nahe Wohngebiete gezogen. Anlieger hatten bereits angekündigt, eine groß angelegte Unterschriftenaktion zu starten oder gar eine Bürgerinitiative zu gründen, sollte der Stadtrat dem Vorhaben zustimmen.

Im Regionalteil:

Stadt Vilseck. (aip). Publikumswirksamster Punkt der letzten Sitzung des Stadtrats Vilseck war der Antrag von Alois Köppl und Pfarrer Klaus-Peter Lehner aus Drachselsried auf Erteilung eines Vorbescheids für die Errichtung eines Krematoriums auf dem Gelände des ehemaligen Sägewerks Schmid.

Der gesamte Stadtrat führte erhebliche Bedenken gegen ein solches Projekt in Vilseck an. Insbesondere Stadtrat Wilhelm Ertl befürchtete starke Emissionen, die von der Anlage ausgehen könnten. Er dachte hierbei insbesondere an Dioxine, Furane und Quecksilber. Nach seinem Wissensstand seien in der einschlägigen Bundesimmissionsschutzverordnung beispielsweise gar keine Grenzwerte für Quecksilber festgesetzt. Er gesteht den Betreibern zwar zu, dass moderne Krematorien mit guten Filtern ausgestattet sind, die die Belastung der Umwelt unter der vorgeschriebenen Grenze halten; bei Störungen im Anlagenbetrieb müsste aber die Leiche dennoch vollständig verbrannt werden. Dies bedeute dann eine ungefilterte Freisetzung von Schadstoffen über den Abgaskamin in die Umluft.

Ertl stellte anhand eines Lageplanes den Auswirkungsbereich der Emissionen dar. In ca. 500 Meter Entfernung zum geplanten Standort befinden sich in südöstlicher Richtung die Wohngebiete an den Kesselwiesen und der Dr.-Reichenberger-Straße, in nordwestlicher Richtung der Ortsteil Am Langen Steg. Die Hauptwindrichtung sei West und damit ziehe der Abgasausstoß über den Kamin in östliche Richtung nach Axtheid-Berg ab, bei drehenden Windrichtungen seien auch die näher gelegenen Wohngebiete betroffen. Eine weitere Problematik seien die so genannten Inversionswetterlagen, wo kein Luftaustausch der unteren mit den oberen Luftschichten stattfindet.

Die Investoren bestätigten auf Anfrage der Stadträte die Darstellung von Ertl in Bezug auf den Quecksilberwert und die Störfallsituation. Allerdings sei inzwischen vom Landratsamt ein Grenzwert für Quecksilber festgelegt worden. Dessen Einhaltung sei durch den Einsatz entsprechender Abgastechnologie ebenso gesichert wie die Einhaltung der sonstigen Grenzwerte, sicherten die Investoren zu. Der geplante Schornstein soll 3 Meter über Firsthöhe errichtet werden. Sie erläuterten weiter, dass sie Vilseck für einen idealen Standort halten, da die Stadt in der Mitte der bestehenden Krematorien in Selb, Bayreuth, Nürnberg und Regensburg liege. Es würde das Einzugsgebiet Amberg, Weiden und Neustadt a.d. Waldnaab abgedeckt. Sie rechnen mit ca. 2.000 Verbrennungen jährlich.

Stadtrat Josef Götz verwies auf die Problematik der verkehrsmäßig unzureichenden Erschließung. Momentan sei das betreffende Industriegebiet nur durch einen Feldweg erschlossen, die provisorische Ausfahrt zur Staatsstraße 2166 sei lediglich geduldet. Mit einer Genehmigung durch das Straßenbauamt sei nicht zu rechnen, da der Stadt Vilseck bereits entsprechende Nachfragen negativ beschieden worden sind.

Ein weiterer Gesichtspunkt in der Diskussion war die Einhaltung der Pietät beim Betrieb eines Krematoriums in Industriegebieten. Oberamtsrat Peter Mallmann, verwies in diesem Zusammenhang auf ein neues Urteil des Verwaltungsgerichtes Regensburg. Die Stadträte befürchten, dass nach der Ansiedlung eines Krematoriums möglicherweise keine anderen lärmintensiven Betriebe in dessen Nachbarschaft gebaut werden dürften. Dadurch würde die städtebauliche Entwicklung negativ beeinflusst.

Bürgermeister Schertl verlas abschließend ein Schreiben von Anliegern der Dr.-Reichenberger-Straße, in dem diese sich gegen den Bau eines Krematoriums auf diesem Standort aussprechen und ankündigen eine groß angelegte Unterschriftenaktion oder gar die Gründung einer Bürgerinitiative durchzuführen, falls das Vorhaben im Stadtrat Zustimmung finden sollte.

In der abschließenden Abstimmung gab es ein klares und eindeutiges Votum des Stadtrates gegen den Bau des Krematoriums am beabsichtigten Standort. Mit 19:0 Stimmen wurde das Einvernehmen mit dem Vorhaben abgelehnt. Der Stadtrat sieht momentan im Bereich der Stadt Vilseck auch keinen anderen geeigneten Alternativstandort für die Errichtung einer solchen Anlage.

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